(K)alter Kaffee

Auf dem Schreibtisch steht noch kalter Kaffee. Das war früher immer so. Irgendwie. Neben dem Aschenbecher.

Ich mag nach einer Woche den Geschmack von meinem neuen Kaffee, der ja bis 2016 mein alter Kaffee war. Allerdings ist er wieder völlig neu. Keine Erinnerung an vor 10 Jahren.
Wieder ein Stück Schweiz verschwunden.
Nur Kaffee.
Kalter Kaffee.
Der alte sowieso.

Manchmal träume ich, dass ich mir, obwohl ich nicht rauche, eine Schachtel „Prince“ kaufe und es im Griff habe, nur dann und wann zu rauchen.
Wenn es nicht so schädlich wäre.
Wenn man:n wüsste, ob es was ausmacht.
Nur die Balkonrauchzeit ist demnächst vorbei.
Den Geruch möchte ich nicht mehr in der Wohnung haben.
Letztens hab ich an der Tanke mal nach „Prince“ geschaut. Ich hab keine gesehen.
Das ist dann wohl auch ein Zeichen.

Die Prince-Lampe aus Bremen hätte ich trotzdem gerne noch.
Irgendwas bleibt ja immer verloren bei jedem Neuanfang.
Wobei das ja schon der Vorvorletze war.
Neuanfang
Ist auch ein Album von Clueso
2016, da passte es.
Könnte ich mal wieder hören.
Heute Abend nicht.
Passt nicht.

Gerade hab ich ein Album entdeckt, was mir richtig gut gefällt.

Linda Smith – Till Another Time: 1988-1996

Das mag ich und das passt…

Drum’n’Bass

Drum’n’Bass ist keine Musik zum Schreiben
Tanzmusik
Bukem spielt SADE
Spielte
Der Mix ist von 23
Auch schon wieder vorgestern
97 im F-Haus
Halb 3 kam LTJ Bukem
Ich weiß es noch
Tanzen
Tanzen
Tanzen
Lange her und gestern
Manches braucht nur 2 Takte
Dann schlägt das Herz im selben
Gut oder schlecht
Ist nicht die Frage
Die Melancholie sagt:
„Du kannst auch mit Tränen tanzen.“

„Tanz, alter Mann, tanz!“

Herzzeit

herzzeitDer Herbst kommt.
Ich wollte eigentlich zeichnen (üben) und bin dann einfach auf meinem Balkon sitzen geblieben.
Jetzt geht das.
Heute sowieso, da keine Sonne ist.
Warm ist es gleichwohl.
„Gleichwohl“ gehört auch zu den Worten, die ich sehr mag.

Es hat noch nie gefunzt ohne Deadlines.
Was passiert aber, wenn es keine mehr gibt?
Klappt dann nichts mehr?
Da kommt dann die Frage: Was soll denn noch klappen?


Manchmal ertappe ich mich, dass ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich Zeit einfach so verrinnen lasse.
Diese kostbare Zeit.
Unwiederbringlich.

Dann stellt sich wieder Fragen:
Wann ist denn Zeit gut genutzt?
Welche Qualität muss sie haben?
Was soll/ muss das Ergebnis sein?

…und dann merke ich, dass es mir wumpe ist.
Meine Zeit ist meine Zeit.
Sie hat genau einen bestimmten Zeitpunkt: 08:15 Uhr Herzmedikamentenzeit.
Herzzeit!

Wenn ich so darüber nachdenke, der Tag, egal wie schlecht die Nacht war, beginnt immer mit Herzzeit.
Danach kann die Zeit machen, was sie will mit mir oder ich mit ihr.

Wenn das mal nichts ist…

Null

Es gibt Momente, die einfach so sind, wie sie sind.
Nichts Aufregendes.
Einfach so.

Aber wenn ich merke, dass nichts diesen Moment stört, dann wird er zu einem besonderen Moment.
Ich habe alles gesehen.
Jetzt braucht es das nicht mehr.
Balkonphilosophie.

Heute Morgen denke ich mal wieder über Zeit nach.
Vergangene
Zukünftige

Ich lebe jetzt etwa 501.825 Stunden und manchmal frage ich mich, wie viele kommen noch dazu?
Leben müssen.
Wollen.
Es ist mir egal.

Es gibt Momente, die einfach so sind, wie sie sind.

There is no time.

life is an illusion
feeling is an echo
longing is a reflection
today is the blink of an eye
tomorrow is invisible
yesterday is a Soundtrack
you are forever

there is no time.

Das ist vom Januar und trifft es gerade so sehr.

Es gibt diese Tage, die fangen traumbedingt viel zu früh an. Wut im Traum ist am Ende Wut im Körper. Das hat sich eine Weile durch meinen Morgen gezogen. Erst der Gang am Wasser, hat mich wieder zurückgebracht.
Familie ist auch etwas, was du dir nicht aussuchen kannst.
Zur Wahl sag ich jetzt nichts. Faschisten sind keine Alternative.

Dann ist aber immer Musik.

https://yehezkelraz.bandcamp.com/track/there-is-no-time

5 Uhr 45

5uhr45Aufschrecken
Ich will keine Diskussion mit Napoleon
Nicht mal im Traum
Cortisolspitze
Puls bei 180
Das geht so nicht
Aufspringen
Fuss stossen
Aufschrei
Wut

Wie tief ist das noch?

Morgenroutine
Pissen
Kaffee kochen
Auf dem Balkon stehen und dem Tag beim Werden zusehen
Das sanfte Rosaband der Wolken beruhigt
Irgendwie

06:15 Der Sonntag beginnt jetzt.

Unentschieden

unentschiedenTage, die sich nicht entscheiden können.
Wir beide sitzen beim Kaffee.
Es ist nicht Fisch nicht Fleisch.
Müsste man:n nicht langsam eine andere Metapher finden?
Oke.
Es ist nicht Apfel noch Birne.
Es beginnt ja fast der Herbst.

Sie sagt nichts, gar nichts.
Sie legt einfach nur ihre Hand auf meine Schultern.
Schwer.

„Eyes Without a Face“ (Billy Idol cover) von Lotte Kestner
Hebt sicher nicht die Stimmung.
Eine schöne Interpretation ist es allemal.
„Allemal“ gehört zu meinen Lieblingswörtern.
„Gleichwohl“
Das mag ich auch sehr.

„You’re all I need
I’m in the middle of your Picture“

Ann-Lynne interpretiert Radiohead

…und wieder so ein Gedanke: Wenn ich mir das Lied für mich selbst vorsinge…

„Du musst dich nicht entscheiden. Heute nicht.“
„Der Kaffee ist alle und das Album zu Ende.“
„Das ist doch wie ein Startsignal.“
„Ja.“
„Na dann.“
„Na dann.“

Spätsommer

Langsam schleicht sich der Herbst an. Er ist noch nicht ganz da und das Licht an manchen Spätsommertagen ist fantastisch. Diese Tage, die kürzer werden. Diese Tage, die gefühlt, so andere Farben haben. Diese Tage, an denen Sonnenaufgänge fast nicht mehr vor dem Aufwachen sind.

Gestern Abend habe ich in einer Talkshow mal wieder diese unsägliche Phrase gehört, dass man sein Leben nur so intensiv genießen und bewusst erleben kann, wenn man mal mit dem Tod konfrontiert war. Ich hab das Ende der 90er auf der Krebsstation schon fraglich gefunden und mit Annelie Keil diskutiert.

Was mich daran so nervt sind zwei Dinge.
Das eine, dass es nur ein wirkliches Leben ist, wenn es mit spektakulären Sachen wie Weltreisen, Extremsport oder sonst was gefüllt ist.
Das andere, dass man so einen Aufhänger braucht, um endlich das zu machen, wovon andere nur träumen.

Vielleicht ist es wichtig, dass man:n sich immer mal wieder die Frage stellt: „Was will ich oder was wollte ich und bin ich noch auf dem Weg?“ Die Frage geht allerdings auch ohne existenzielle Krise. Vielleicht ist es nach solchen Krisen so, dass man:n weiß, dass nicht unendlich Zeit ist. Das ist aber auch die einzige Erkenntnis, die Nutzen hat. Diese könnte man:n aber auch ohne Krise haben.

Die Sache mit dem „wirklichen“ Leben ist dann auch so eine Sache. Ich finde es ehrlich toll, wenn Menschen so aufregende Dinge tun. Ich mochte das ja auch, als ich aus dem Flugzeug gesprungen bin.
Ob ich das nochmal machen würde? Jederzeit. Nicht, weil das dann das „wirkliche“ Leben ist. Nein, der Adrenalinflash kickt einfach. Wenn ich ein tolles Musikalbum höre, habe ich allerdings länger Freude. Darum kauf ich mir lieber Musik.

Wirkliches Leben stellst doch immer die Sinnfrage oder?
Was aber, wenn es gar keinen Sinn hat?

Na ja, Samstag abends muss man diese Frage auch nicht unbedingt beantworten.
Der Herbst kommt, ob mein Leben einen Sinn hat oder nicht, ist ihm egal.