Ein Tag in den ich nicht reinkomme. Schon das Aufstehen lässt mich spüren, dass es ein endloser Start wird. Kaffee, Balkon, Gedanken. Keine Ruhe, aber auch keine Unruhe.
Meine Motivation ist irgendwas zwischen „Los, komm!“ und „Ach, lass mal.“.
…und draußen ist es grau.
Ich mag das ja sehr.
Schon immer.
Und meine Melancholie sagt: „Komm, lass uns einfach auf dem Balkon sitzenbleiben.“
Gestern hallt nach. Faschistische Fratzen, die mir in kurzen Momenten sogar Angst machen. Viele Menschen für Vielfalt, was mir ein bisschen Hoffnung macht. Muttchen freundet sich mit meinen Freunden an und ist mittendrin. Das bringt mich zum Schmunzeln.
Ich bin mir immer bewusst, wie privilegiert ich bin.
Begegnungen mit Menschen von ganz früher und immer wieder erzählen. Meine Geschichte. Wie mich das langweilt. Alle wollen wissen, wie es mir geht, was ich jetzt mache, wo ich jetzt bin. Heute haben sie es schon wieder vergessen. Reene, ach ja der war auch da. Mir geht es ja nicht anders. Eine Nichtbegegnung und gleichwohl gesehen. Mein Gefühl sagt: Ich will keinen Kontakt zu diesen Menschen, die mir ungefragt ihre ganze Last auf die Schultern packen, ihre egoistischen Forderungen an mich stellen und sich nicht mal ansatzweise interessieren, wie es mir wohl geht und wie es mir wohl dabei geht.
Was ich merke, dass ich immer noch irgendwie in einer Rechtfertigung bin. Ich bin so frei und mache nichts (in Bezug auf Arbeit). Immer die Erklärung, was ich beruflich erreicht habe, und dass mein Herz mir aber gezeigt hat, dass es zu viel war. Und dass ich es mir leisten kann, macht mir fast ein schlechtes Gewissen. Warum? Ich hab doch nicht geklaut und meinen Preis bezahlt.
Aber gut, das mein Herz mir gezeigt hat… oder? Vielleicht war es gar nicht mein Herz. Vielleicht war es meine Seele. Vielleicht war es mein Ego. Vielleicht war es der Wunsch, wieder Reene zu sein. In Zürich hab ich mich fast verloren und in Zürich habe ich mich wieder gefunden oder auch wiedergefunden.
Was es ausmacht, wenn die Menschen mich mit dem Namen ansprechen, in dem ich von mir denke.
Heute ist ein Tag, in den ich nicht richtig reinkomme. Ich muss aber auch nicht. Ich muss nie wieder in die Tage reinkommen, wenn ich es nicht will oder kann.
Ich bin mir immer bewusst, wie privilegiert ich bin.
…und dann sitze ich am Schreibtisch, denke über einen Text „Tage in die ich nicht reinkomme“ nach, höre wundervolle Musik und nehme einen Schluck Kaffee.
Wie lecker.
Dann beiße ich in die Streuselschnecke des besten Bäckers der Stadt.
Wie lecker.
…und dann merke ich. Ich bin schon lange in diesem Tag. Er plätschert nur einfach so vor sich hin.
Mir wird es gelingen, so nach und nach… Streuselschneckengedanken
🎶 Driving slowly with Duygu