Zeit, Glück, Liebe und Freiheit

Sich der Zeit zu nähern ist ein aussichtslosen Unterfangen. Sie bleibt einfach nicht stehen. Egal wie schnell ich renne, ich hole sie nicht ein. Die Zeit nimmt sich die Freiheit zu sein, zu vergehen und nicht zurückzukehren. Manchmal holt mich die Zeit ein. Das ist ein Paradoxon an sich.

Wie kann ich Zeit nicht erreichen und werde doch eingeholt?

Wenn ich heute über Zeit nachdenke, dann ist das auch immer ein Nachdenken über die letzten 20/25 Jahre. Mehr oder weniger intensive Phasen wurden abgelöst durch eine Normalität, die – rückwirkend betrachtet – gar nicht zu mir passte. Manchmal denke ich, dass ich 20 Jahre nicht ich war. Ich bin niemand, der sich wohlfühlt im starren Rahmen. Das Problem ist allerdings, dass ich nicht kreativ genug bin, um etwas zu tun, was diese Rahmen unnötig macht. Zudem war da immer die Suche nach Glück und Liebe.

Glück und Liebe, wie selbstverständlich schmeiße ich das in einen Satz. Dabei hat das eine mit dem anderen nur bedingt zu tun. Ich habe festgestellt, dass Liebe nicht immer nur Glück bedeutet und Glück sehr wohl ohne Liebe da sein kann. Die Suche nach dem Glück ist seit 1990 mein Thema. Seit ich halbbetrunken diesem Mädchen in Berlin am Bahnhof erzählt hab, dass ich ein Buch schreibe über Glück und Toleranz. Das war in einer Phase tiefsten Unglücks oder besser absolutem Chaos in mir. Keine Idee, wo es hingehen sollte, keine Idee mit wem. Die Welt war offen, aber mein Denken noch viel zu eng. Uns wurde keine Phantasie erzogen. Wahrscheinlich mag ich deshalb Menschen, die kreativ sind und Phantasie haben, so gern. Wahrscheinlich begeistern mich Künstler:innen und Musiker:innen deshalb so.

Die Suche nach dem Glück war immer an der Borderline. Entweder ganz oder gar nicht. Anfang der 2000er war dann meine Lösung nicht glücklich zu sein, sondern nur nicht unglücklich. Ich könnte dir nicht mal ganz genau sagen, was mich glücklich macht. Gute Musik, gutes Essen. Manchmal sitze ich auf dem Rad und merke, dass mich das Fahren irgendwie glücklich macht, selbst wenn es unheimlich anstrengend ist. Frei sein macht mich glücklich. Keine Fragen haben macht mich glücklich. Ganz viele Fragen haben macht mich glücklich.

In diesem Moment ist Glück für mich, Zeit sein zu lassen. Es ist Sonntagabend. Ich muss nicht ins Bett und ich muss mir keine Gedanken machen, was morgen ist. Es spielt keine Rolle.

Glück ist für mich, alle Zeit der Welt haben und nichts müssen.

Heute weiß ich auch, dass mein Glück nicht von anderen Menschen abhängig sein kann. Ich bin schlecht im Lieben und Freundschaften halten. Wahrscheinlich hab ich das auch nicht gelernt.

Liebe möchte ich gar nicht mehr thematisieren. Zu oft geliebt und am Ende bleibt nichts davon. Wahrscheinlich war ich immer auf der Suche nach der einen großen Liebe. In all den Jahren gab es dabei nur eine, in der ich mich nicht gefragt habe, wann hört sie auf. Ich hab sie dann selbst kaputt gemacht. In einer Zeit in der ich mich selbst nicht geliebt habe. In einer Zeit, in der ich nicht mal wusste, wer ich bin. Chaos in mir und in meinem Kopf und in meinen Gefühlen haben mich verrückt gemacht. Heute weiß ich, dass etwas davon geblieben ist, vom Kaputten und Verrückten. Heute weiß ich allerdings auch, dass Suchen ins totale Chaos führt oder in die absolute Langweiligkeit. Das Suchen ist auch immer begleitet von dem Gefühl der Einsamkeit. Einsam sein hat zu Kompromissen geführt. Dann war die Liebe oder besser die Beziehung, die sich daraus entwickelte, immer auch nur noch ein Kompromiss. Viel schlimmer ist jedoch, dass ich mich selbst aufgeben musste, auch wenn ich mir eingeredet habe, dass ich das gerne mache. Bullshit. Dann sind zwanzig Jahre vorbei und die kriege ich nicht wieder. Das ist das blöde mit der Zeit. Ich kann sie nicht einfach mal zurückdrehen. Jetzt komme ich aber auch nicht mit dem: Ja dann wäre ich heute auch nicht da wo ich bin Blabla. Ja dann wäre ich woanders. Wer weiß das schon?

Also Fazit zur Liebe? Wenn Liebe, dann ohne Kompromisse. Du bleibst, wie du bist und ich bleib, wie ich bin. Manches nervt uns vielleicht, wir können das verbalisieren und aber auch tolerieren. „Zulululu“ sollte eine Geschichte über Glück und Toleranz werden. Das möchte ich in der Liebe, und ein bisschen Knutschen und Händchen halten und zusammen Musik hören und tanzen. Rock’n’Roll und Engtanz.

Liebe ist Glück und Toleranz.
Liebe ist Rock’n’Roll und Engtanz.
Liebe ist Ich sein und du bleiben.
Bleib du du bei mir und ich ich bei dir.

[Das ist ja fast ein Freestyle.]

Freiheit ist für mich, alle Zeit der Welt haben und nichts müssen. Ist also Freiheit gleich meinem Glück? Nein, denn Freiheit heißt für mich auch, solange wie ich will unglücklich zu sein oder traurig oder genervt oder melancholisch oder gelangweilt oder gut gelaunt oder fröhlich. Freiheit ist alles und alles ist nichts. Das ist meine Freiheit: nichts und niemand bestimmt meine Welt. Also natürlich meine kleine Welt. Mikrokosmos. Achtuhrfünfzehn Tabletten nehmen ist die einzige feste Komponente. Selbst die könnte ich ändern.

Freiheit ist für mich, Zeit haben für alles und nichts.
Freiheit ist für mich, niemanden mehr Rechenschaft ablegen, wer und warum ich wer bin.
Freiheit ist für mich Leben im Moment und dabei muss der Moment nicht mal wichtig sein.

Freiheit ist für mich jetzt.
Es gibt kein Vielleicht im Jetzt.