Erinnerung für dann an einen Morgen, der fast schon gut war…

Erinnerung für dann an einen Morgen, der fast schon gut war…

Der Herbst kommt.
Ich wollte eigentlich zeichnen (üben) und bin dann einfach auf meinem Balkon sitzen geblieben.
Jetzt geht das.
Heute sowieso, da keine Sonne ist.
Warm ist es gleichwohl.
„Gleichwohl“ gehört auch zu den Worten, die ich sehr mag.
Es hat noch nie gefunzt ohne Deadlines.
Was passiert aber, wenn es keine mehr gibt?
Klappt dann nichts mehr?
Da kommt dann die Frage: Was soll denn noch klappen?
Manchmal ertappe ich mich, dass ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich Zeit einfach so verrinnen lasse.
Diese kostbare Zeit.
Unwiederbringlich.
Dann stellt sich wieder Fragen:
Wann ist denn Zeit gut genutzt?
Welche Qualität muss sie haben?
Was soll/ muss das Ergebnis sein?
…und dann merke ich, dass es mir wumpe ist.
Meine Zeit ist meine Zeit.
Sie hat genau einen bestimmten Zeitpunkt: 08:15 Uhr Herzmedikamentenzeit.
Herzzeit!
Wenn ich so darüber nachdenke, der Tag, egal wie schlecht die Nacht war, beginnt immer mit Herzzeit.
Danach kann die Zeit machen, was sie will mit mir oder ich mit ihr.
Wenn das mal nichts ist…

Es gibt Momente, die einfach so sind, wie sie sind.
Nichts Aufregendes.
Einfach so.
Aber wenn ich merke, dass nichts diesen Moment stört, dann wird er zu einem besonderen Moment.
Ich habe alles gesehen.
Jetzt braucht es das nicht mehr.
Balkonphilosophie.
Heute Morgen denke ich mal wieder über Zeit nach.
Vergangene
Zukünftige
Ich lebe jetzt etwa 501.825 Stunden und manchmal frage ich mich, wie viele kommen noch dazu?
Leben müssen.
Wollen.
Es ist mir egal.
Es gibt Momente, die einfach so sind, wie sie sind.
Ich habe heute schon in den Pfützen getanzt.
„Natur“, sagte die Frau in der Bäckerei.
„Ja!“
Dem Regen zuzusehen, schenkt mir so eine wunderbare Klarheit.
Die Sonne hat es versucht.
Angus und Julia haben ein neues Album herausgebracht.
Ich habe Kaffee und Musik.
Balkongedanken.
Fragst du dich manchmal, was du vermisst?
Ich habe einmal gelesen, dass das Vermissen von etwas die Illusion ist, dass es (wieder)kommen wird.
Dann ist doch die eigentliche Frage, was soll kommen?
Soll etwas kommen?
Warum?
…oder wer?
Ich mag das Bild in Schwarz/Weiß. So kann ich mir einreden, es hat etwas künstlerisches.
Wobei? Stopp mal. Ich muss mir gar nichts einreden, weil ich mich ja nicht rechtfertigen muss.Für nichts.
Vielleicht ist es einfach so in uns oder besser in mir, dass es irgendwie immer eine Bedeutung haben muss. Alles.
Sozialisation und Jahre im Hamsterrad.
Das widerspricht doch aber meiner Idee.
Also loslassen.
Wirklich ankommen.
Vielleicht die Gedanken zu Zeit, Glück, Liebe und Freiheit mal zu Ende denken und in einem Essey aufschreiben.
Die Idee mit den Briefen an mich selbst finde ich toll. Auf dem schönen Briefpapier.
Ich mag den Sonnenblumenkitsch, denn Drama, Schmerz und Scheiße kommt sowieso.
Also: Zeit, Glück, Liebe und Freiheit – Ein Essey
Ich gebe mir eine Woche…
Heute auf dem Rad gab es diesen Moment.
Diesen wirklichen Moment im Jetzt und Hier.
Ich hab laut mitgesungen und gleichzeitig mit dem Wind diskutiert.
Meine Melancholie saß auf dem Gepäckträger und hat sich einfach nur gefreut.
„Es wird, Reene“

Das Bild ist schon ein paar Tage alt.
Vergangenheit
Nie wieder wird es diesen Ausblick so geben.
Wolken sind wie Fingerabdrücke
Einmalig
Ich mag diese Schwarzweiß-Version sehr.
Die Grenzen sind fließend
Übergänge
Wo beginnt dein Anfang?
Wo endet dein Ende?
Der Anfang ist das Ende
Das Ende ist der Anfang
Balkonphilosophie
Heute hat meine Melancholie noch nichts gesagt. Ich spüre sie nur.

Am Abend nimmt sich das Rot seinen Raum…
Dann kam das Gewitter und holt sich seinen Moment…
Heute habe ich mit meiner Melancholie, meiner Sehnsucht und meiner Hoffnung „Mensch ärger dich nicht“ gespielt.
Ich verrat nicht, wer gewonnen hat.
Dann musste ich nach draußen gehen und habe mir The Smiths angehört.
Erinnerungen an Momente aus den Jahren 1987/88.
Ich habe zwei Fotos von Jean.
Schwarz-Weiß-Bilder.
Manchmal spüre ich sein Lachen.
Manchmal sehe ich uns mitten in der Nacht diese lange, endlose Straße entlang nach Hause gehen.
Was kostet die Welt?
Bereust du es manchmal, dass du diesen einen Menschen nie wieder sehen wirst?
… und da ist er wieder der Gedanke an andere Realitäten, Zeitreisen und „Was-wäre-wenns“.
Meine Melancholie setzt sich auf mein Sofa und sagt: „Lass mich dir ein Lied vorspielen. Es ist sehr schön.“
Lotte Kestner covert Lana del Rey’s „Born to Die“
Herzschmerz und Anmut.

Manchmal kommen abends die Wolken.
Heute haben sie sich eingeschlichen.
Es ist der Gedanke an dieses andere Universum.
Ein anderer Zeitstrahl.
In dem gibt es das eine Gefühl.
Vielleicht sollte ich Loki anrufen und sagen:
„Ich wäre dann soweit.“
Es wäre aber eine komplizierte Prozedur.
Zeit zurückdrehen.
Meine Zeit viel langsamer machen, damit ich jünger wäre.
In deiner Zeit ankommen.
Dann wäre ich aber 1989 erst drei oder vier Jahre alt.
Das Risiko, dass ich dann in meiner Jugend Drogen nehme, wäre gross.
So wie ich in meiner letzten Jugend drauf war.
…und dann würden wir uns auch nicht begegnen.
Wie man es dreht und wendet…
Wir begegnen uns nicht.
Nicht hier.
Nicht dort.
In keiner anderen Zeit.
Niemals.

Wach
Nicht wach genug
Flüchtiger Moment
Pastellfarben verschwinden
So schnell, wie sie kamen
Neuer Tag, neues Glück
„Was aber, wenn Glück gar nicht das Ziel ist.“
…und sie formuliert es nicht als Frage.
Rückwärts gesehen
Vorwärts gedacht
Musik
Im Moment
Für die Erinnerung
An gestern
Für morgen
Im heute
Für immer