Die Stadt schläft noch fast, als ich losgehe.
Ich merke, dass mir Berlin in diesem Moment gefällt. Sehr wenig Menschen sind unterwegs.
Berlin ohne Trubel.
Kurzer Blick auf die Spree.
Grau in Grau.
Ich setze die Kopfhörer ab.
Sound einer aufwachenden Stadt.
Ich nehme einen Tee mit dem kurdischen Gemüsehändler in Moabit, kaufe eine Banane und bekomme eine geschenkt. Ich mag genau diese Begegnungen.
Dann gehe ich weiter.
Kleiner Tiergarten.
Ich hab noch Zeit für den Park.
Dann merke ich, dass es reicht.
Ein kleines Mädchen sieht das auch so und weint.
Ich schenke ihr meinen Regenbogenpin. Ich hab zuhause noch einen neuen
Sie lacht mit einer kleinen Träne im Auge.
Weiter.
Das Gefängnis in Moabit ist ein schreckliches Gebäude, denke ich.
Dann bin ich am Hauptbahnhof.
Das ist ein stinkendender Menschenameisenhaufen.
Wobei ich den Ameisen damit unrecht tue.
Viel Dreck, sehr viel Lärm, rumwuselnde Menschen ohne Rücksicht.
Der alte Mann, der den Müll durchwühlt, macht mich traurig.
Weil ich kein Bargeld habe, frage ich ihn, ob er ein Schokocroissant von mir möchte.
Ein kleiner Moment Freude.
Er muss weiter, hat noch viel zu tun, sagt er mir.
Sie lehnt sich an mich. Melancholie und Homesickness.
Bahnhöfe sind schreckliche Orte.
Ich setz mich hin und die Kopfhörer auf, trinke meinen Kaffee und esse mein eigenes Schokocroissant.
Warten bis der Zug in den Norden kommt.
Der junge Mann auf dem Bild fährt nach Hamburg zu seinen Großeltern. Erzählt er mir, als ich ihn frage, ob ich das Foto von ihm nutzen darf.
Gute Reise Johannes
Ich sitze im Zug.
Musik spielt.
Welt um mich herum ist aus.
Ich schreibe diesen Text.
Er heißt: Warten.